JACKSON POLLOCK BAR IM THEATER FREIBURG
ÜBER SCHULDENÖKONOMIE UND UNREGIERBARKEIT
Die Politik hatte gelernt aus den voran gegangenen Krisen des Kapitalismus. Sie hatte den Zusammenbruch des Geldsystems vorerst verhindert – so als hätten die Regierungen es heimlich einstudiert.
Auch schob man vorschriftsmäßig keynesianisch die Konjunktur wieder an. Aber nur ein Drittel solcher Anschubfinanzierung kommt als Steuereinnahmen wieder zurück. Und die Schulden bleiben. Gleichzeitig ist
die Null-Zins-Geldpolitik eine reine Aufforderung zur erneuten Blasen-Bildung. Mit beiden Strategien droht sich Politik in einen Zustand der Unregierbarkeit hinein zu manövrieren. Im Medium des Kapitalismus
selbst spiegeln sich seine Antagonismen: als Desillusionierung der Real-Fiktion der Politik als Subjekt, als Zentrum und Spitze einerseits, als Widerspruch zwischen Geld als öffentlichem Gut und seiner
privatwirtschaftlichen Bewirtschaftung andererseits.
Denn womit handeln Banken? Ihre Handelsware sind die Zukunftsrisiken und ihre Derivate. Und auch die neue Blase ist wieder aus Derivatehandel aufgebaut. Derivate sind Investitionen des Mediums Geld in sich
selbst. Sie sind aber vor allem der Wiedereintritt des Risikos ins Risiko, das wahrscheinlichkeitsrechnungsgestützte Re-Entry der Zukunft in die Gegenwart als Dauerkrise. Die Zeit wird stillgestellt und
totalitär. Der Kapitalismus ist der ultimative Angriff der Gegenwart auf den Rest der Zeit, der endgültige Fall eines verschuldenden Kultus.
Ein Gespräch mit
Eine Veranstaltung der Jackson Pollock Bar, des Südwestrundfunks Baden-Baden (SWR 2) und des Theaters Freiburg

